Geschichte und kulturelles Erbe

Die Gründung von Massalia und die ersten Weinberge

Die Geschichte des Weinbaugebiets beginnt mit der Gründung der griechischen Siedlung Massalia um 600 v. Chr., nicht weit vom Rhônedelta.

Die geografische Ansiedlung der Weinbaugebiete hing schon immer eng mit dem Aufschwung der Städte in der Umgebung zusammen, deren Konsum durch eine hochwertige lokale Produktion gedeckt werden musste. Es erstaunt also nicht, dass die Gründung der phokäischen Siedlung der Grund dafür war, dass in Frankreich die ersten Weinberge gepflanzt wurden.

Das Rhônetal war seit Jahrtausenden schon immer eine privilegierte Handelsstrecke, der kürzeste Verbindungsweg vom Mittelmeer in nördliche Gefilde. Da es die Möglichkeit bot, die Weine über weite Entfernungen zu transportieren, war das Rhônetal für den Handel mit Weinen aus dem Mittelmeerraum besonders relevant. So wurde also von den Griechen das erste Weinbaugebiet Frankreichs geschaffen.

Das Rhônetal, eine privilegierte Handelsstrecke

Zahlreiche Überreste von Amphoren, die in den ehemaligen Häfen von Montfaucon oder Bagnols-sur-Cèze (im aktuellen Weinbaugebiet der Côtes du Rhône) gefunden wurden, zeugen von einer langen Tradition des Weinhandels im Rhônetal, die vermutlich lange vor der Gründung Massalias von den Etruskern initiiert wurde.

Das heißt, dass der Weinhandel, eingeführt von den Etruskern, dem Weinbau vorausging, der erst mit den griechischen Winzern begann, die für ihren Eigenkonsum produzierten und dann ihre Überschüsse verkauften. Die gallischen Völker tranken also schon vor der Anlage der Weinbaugebiete im Rhônetal jahrhundertelang Wein aus Italien, Griechenland und Massalia.

Bei ihrer Ankunft übernahmen die Griechen nicht nur den Weinhandel, sie brachten auch Rebstöcke aus dem östlichen Mittelmeerraum mit, die sie in großen Mengen auf den Hügeln oberhalb ihrer Siedlung pflanzten. Sie führten außerdem die Kunst des Zurückschneidens der Weinstöcke ein, durch die gesunde Trauben und somit hervorragende Weine erzeugt werden können.

Gegen 500 v. Chr. produzierte Massalia seinen eigenen Wein und seine eigenen Amphoren entlang der Rhône für den Handel mit dem Landesinneren.

Mit der Ankunft der Kelten nahm die Anfrage nach Wein stark zu, denn sie waren große Weinliebhaber. Der Philosoph Diodor von Sizilien spricht sogar von der „Leidenschaft der Gallier für den Wein“!

Die gallische Nachfrage nach Wein stieg immer weiter und schließlich ergänzten süditalienische Händler die unzureichende lokale griechische Produktion.

Der Einfluss der Römer

Der Einfluss der Römer im Rhônetal war geprägt von der Errichtung von Städten, deren Überreste zu unserem Kulturerbe gehören – ebenso wie das Weinbaugebiet, das zur gleichen Zeit entstand.

Die Städte Avignon, Orange, Bagnols, Valence, Vienne, Vaison-la-Romaine, Alba la Romaine, Montélimar und viele mehr belegen, dass die Präsenz der Römer im ganzen Rhônetal und seiner Umgebung tiefe Spuren hinterlassen hat. Diese Städte wurden nach römischem Vorbild erbaut, mit Amphitheatern, Theatern, Thermen, monumentalen Tempeln, Zirkussen, Aquädukten und Foren.

Traditionell  bemühten sich die Weinproduzenten der Antike, die Produktionsstätten näher an die Orte des Konsums zu rücken. Die Römer waren bestrebt, die für ihre Soldaten und ihren Handelsverkehr nötige Weinproduktion näher an ihre in Vienne stationierten Truppen und die lokale Bevölkerung heranzubringen. Dies begünstigte die Anlage von Weinbaugebieten im Rhônetal.

Weinhandel an der Rhône und die ersten Weinberge an den Côtes du Rhône

Im Rhônetal erfolgte der Transport von Waren über den Fluss oder die Via Agrippa, die Marseille und Lyon miteinander verband. Die heutige Nationalstraße 7 folgt in manchen Abschnitten immer noch ihrem Verlauf. Die Nebenstraßen versorgten die Häfen mit Weinen, die vor allem in den Landgütern von Donzère und Pierrelatte (Drôme) produziert wurden.

Die Ländereien, die nach der Eroberung durch die Römer Staatsbesitz geworden waren, wurden ehemaligen Legionären vermacht, die sie durch den Anbau von Olivenbäumen, Getreide und Wein erschlossen. Ab dem 1. Jahrhundert wurden die italienischen Weine durch gallische Weine ersetzt und die Amphoren wichen allmählich Fässern, die auf der Rhône transportiert wurden.

Die Fundamente der Mauern, die die engen Terrassen im Norden des Weinbaugebiets stützen (von Tain l‘Hermitage bis zum Süden von Lyon), wurden teilweise von römischen Legionären errichtet, um dort Wein anzubauen. Die Stadt Vienne, einstmalige Hauptstadt der Allobroger, die zu einer römischen Siedlung konvertierte, wurde im 1. Jahrhundert vor unserer Ära mit Wein bebaut. Dies war die Geburtsstunde des Weinbaugebiets der Côtes du Rhône.

Die in der Nähe von Donzère (südliche Drôme) gelegene Villa du Molard war die wohl größte Produktionsstätte für Wein in der Antike. Nach der Eroberung durch die Römer bestanden nebeneinander mehrere Landgüter, die von der Spezialisierung der Region auf Weinbau und Olivenanbau zeugen. Die auf 10.000 m² errichtete Villa du Molard war mehr als zwei Jahrhunderte lang in Betrieb.

Ein Teil von ihr war der Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte vorbehalten, ein anderer der Kelter und der Lagerung. Das Gebäude konnte bis zu 200 Tonkrüge aufbewahren, von denen jeder 1200 bis 1500 Liter Wein enthielt. Man schätzt, dass sich das Weingut über 70 Hektar erstreckte. In den Ebenen der unteren Rhône belegt die starke Präsenz von Überresten von Weinbergen, Werkstätten für gallische Amphoren aus derselben Zeit und Zentren für Kelter und Vertrieb wie der Villa du Molard, dass das mittlere Rhônetal unter dem Einfluss der Römer schon sehr früh eine große Weinbauregion war. Diese Überreste, die noch heute erkennbar sind, zeugen von der antiken Geschichte unseres Weinbaugebiets.

Die Päpste in Avignon und die Entwicklung des Weinbaugebiets im Mittelalter und der Frühen Neuzeit

Neun Päpste folgten von 1309 bis 1423 in Avignon aufeinander. Im 14. Jahrhundert wird Bertrand de Got, Erzbischof von Bordeaux, unter dem Namen Clemens V. zum Papst gewählt (1305-1314). Als Besitzer eines Weinbaugebiets in Pessac bei Bordeaux beschließt er, sich in der Grafschaft Venaissin niederzulassen, um der italienischen Instabilität zu entkommen und lässt sich in der Nähe des Mont Ventoux in Malaucène nieder, wo er den ersten päpstlichen Weinberg anpflanzen lässt.

Die Entwicklung des Weinbaus unter dem Einfluss der Päpste

Nach Papst Clemens V. entwickelten seine Nachfolger den Weinbau auf ihrem Gebiet unermüdlich weiter und begünstigten so die Entwicklung der Weinberge im Rhônetal. Benedikt XII. (1334-1342) ließ den ersten Palast in Avignon errichten und die Sommerresidenz der Päpste in Châteauneuf-Calcernier (dem heutigen Châteauneuf-du-Pape) erbauen, deren Weinberge immer mehr an Bedeutung gewannen.

Unter Papst Innozenz VI. (1352-1362) erlangten die Weine der Côtes du Rhône eine neue Wertschätzung: Er erweiterte die Versorgung mit neuen Weinen, die in der Nähe von Avignon produziert wurden.

Der Einfluss der Päpste in Avignon auf das Weinbaugebiet, aus dem später die Côtes du Rhône hervorgehen sollten, war beträchtlich. Nach damaligen herrschaftlichen Ansprüchen schufen sie Weinberge von vorbildlicher Qualität. Sie bereicherten auch die Vielfalt der Weine auf ihrer Tafel durch die Weine aus der Region und machten sie so unter allen großen Persönlichkeiten Europas bekannt. Mehr als drei Viertel der Weine, die sie konsumierten, kamen aus den Côtes du Rhône.

Auch nach seiner Rückkehr nach Italien behielt der päpstliche Hof die Weine der Côtes du Rhône in guter Erinnerung. In der Stadt Avignon wurden weiterhin die an beiden Seiten des Flusses angebauten Weine zusammengetragen, um sie von dort über die Rhône und das Meer an den Pontifex maximus zu schicken.

Auch beim königlichen Hof Frankreichs waren die Weine der Côtes du Rhône wohlbekannt und schon zu Zeiten Franz I. hochgeschätzt. Zur selben Zeit gelangten die Weine allmählich auf den britischen Markt, über den 1680 eröffneten Canal du Midi und weiter auf dem Seeweg von Bordeaux nach England. Das Weinbaugebiet der südlichen Rhône-Täler konnte sich nach 1780 damit rühmen, die Gunst der britischen Konsumenten gewonnen zu haben und vermarktete dort seine besten Erzeugnisse unter der bis dahin ungebräuchlichen Bezeichnung „Vins de l‘Ardoise“, dem Namen des Flusshafens, von dem aus die Weine der Region verschifft wurden.

Die Reblauskrise, die Neuerschließung des Weinbaugebiets und ihr nationaler und internationaler Einfluss

Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war mit einem starken Wachstum der Weinbauflächen das goldene Zeitalter des französischen Weinbaus im Allgemeinen und des Weinbaus im Rhônetal im Besonderen. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte dagegen eine eindrucksvolle Abfolge von Krankheiten, die aus Nordamerika importiert wurden: Echter Mehltau, Falscher Mehltau, Schwarzfäule und vor allem die schreckliche Reblausplage, eines Insekts, das die Rebstöcke an der Wurzel angreift und das über nach Europa importierte amerikanische Weinsorten überall in der Welt verbreitet wurde.

Die Reblauskrise und die Veränderungen im Weinbau des Rhônetals

Das zerstörerische Insekt breitete sich bis in die 1890er Jahre nach und nach in ganz Frankreich aus, entlang der Kommunikationswege und begünstigt von entsprechenden Winden. Erst durch die Arbeit des Botanikers Planchon wurde die Ursache für das Sterben der Rebstöcke bekannt, so dass eine Regenerierung der französischen Weinbaugebiete möglich wurde. Die Weinbaulandschaften ebenso wie die Weinbauverfahren wurden tiefgreifenden Änderungen unterzogen:

  • Die Neuanpflanzung der Weinstöcke erfolgte auf Grundlage von amerikanischen Rebwurzeln, die gegen das zerstörerische Insekt resistent sind.
  • Die neuen Rebstöcke wurden an Eisendrähten festgebunden, um das Durchkommen des Pflugs zu ermöglichen, der erst von einem Pferd gezogen wurde, ab Ende der 1950er Jahre dann von einem Traktor. An den steilen Hängen im Norden des Rhônetals jedoch, wo ein Durchkommen landwirtschaftlicher Geräte unmöglich ist, hat jeder Rebstock seine Stütze, seinen Pfahl behalten, manchmal zwei, der zweite geneigt, um den ersten zu stützen, was den steilen, imposanten Charakter der Weinbaulandschaft unterstreicht.

Im Zuge des andauernden Erfolgs der Weine der Côtes du Rhône und der dazu gehörigen Crus haben sich die Rebsorten aus dem Rhônetal in Frankreich und der ganzen Welt verbreitet, insbesondere in die Länder der Neuen Welt, die gerne auf Rebsorten aus europäischen Ländern zurückgreifen, die dafür bekannt sind, dass sie hochwertige Weine hervorbringen. Der Verbreitungsprozess begann mit der weltweiten Regenerierung der Weinanbaugebiete Ende des 20. Jahrhunderts. Er erreichte seinen Höhepunkt in den 1980er Jahren, zeitgleich mit dem Boom der Weine der Neuen Welt. Dies gilt insbesondere für die Rebsorten Syrah und Viognier, die aus dem Norden des Rhônetals stammen und im gesamten Südosten Frankreichs und in zahlreichen Weinbauländern gepflanzt wurden.

Heute ist der Erfolg von Syrah so groß, dass diese Rebsorte in mehr als 25 Ländern angepflanzt wird, Viognier in mehr als 18 Ländern. So wird Syrah als internationale Rebsorte betrachtet, ebenso wie die legendären Rebsorten aus Bordeaux und Burgund. Es ist der Triumph eines Weintyps, der überzeugt.

1937 bis heute: die Côtes du Rhône führend in der Verteidigung des Kulturerbes

Die AOC-Siegel sind auf Initiative von Menschen entstanden, oftmals unter der Führung einer Person, die entschlossen war, die in Verbänden organisierten Winzer auf dem Weg zu größerer Qualität und Anerkennung mitzureißen.

Der Baron Pierre Leroy de Boiseaumarié, Winzer in Châteauneuf-du-Pape, der das AOC-Siegel und damit auch die kontrollierte Herkunftsbezeichnung AOC Côtes du Rhône schuf, wollte die unzweifelhafte Qualität der Weine der Region bewerben. Dank dieser Initiative ist das Siegel „AOC Côtes du Rhône“ zu einer Qualitätsgarantie geworden, die dem Konsumenten ein Produkt verspricht, das seiner Region und ihrer Weinbautradition treu ist. Durch sein Engagement und dadurch, dass er seinen Verband auf strikte Qualitätsorientierung eingeschworen hat, trug er dazu bei, unsere Weine zu einer weltweiten Referenzgröße zu machen.

Porträt: der Baron Leroy

Pierre Leroy de Boiseaumarié (1890-1967) ist der Sohn eines Kavallerieoffiziers, dessen Mut und Beharrlichkeit er geerbt hat. Im Ersten Weltkrieg zeichnet er sich in der Luftwaffe aus. Nach seinem Jurastudium an der Universität von Montpellier heiratet er 1919 Edmée Bernard le Saint, die ein Château und Weinberge in Châteauneuf-du-Pape im Vaucluse besitzt, wo er Winzer wird.

Gesegnet mit hervorragenden juristischen Kenntnissen, gesundem Menschenverstand und Überzeugungskraft übernimmt der gewandte Redner die Führung der Winzer seiner Kommune zu einem Zeitpunkt, als die Weinwirtschaft in der Krise ist und Frankreich mit mehreren Gesetzen versucht, den Trend umzukehren. 1923 gründet er in seiner Kommune das Syndicat des Vignerons und macht sich zur Aufgabe, eine Appellation Châteauneuf-du-Pape anerkennen zu lassen und damit jeglichen Missbrauch und Betrug bei der Nutzung dieses Namens zu unterbinden. Durch seinen Einsatz vereinigt er 1929 mit Gründung des Syndicat Général des Vignerons des Côtes du Rhône einen Großteil der Produzenten des Rhônetals in einer einzigen Organisation. Ziel war die Schaffung einer neuen Appellation Côtes du Rhone nach möglichst strengen Regeln, um eine einwandfreie Qualität zu garantieren: Alle Produzenten aus dem Gebiet der Appellation konnten unter der Bedingung beitreten, „unter einer regionalen oder lokalen Appellation Côtes du Rhône nur Produkte zu verkaufen, die laut den lokalen, loyalen und konstanten Gepflogenheiten dazu berechtigt sind, mit geeigneten Rebsorten, die an den Hängen angebaut werden, unter Ausschluss von Weinen aus dem Schwemmland, der Ebene und aus unlauteren Rebsorten.“ Das Grundbuch der Appellation, in dem diese Regel enthalten ist, wurde 1937 vom Comité National des Appellations d’Origine Contrôlée (CNAOC), einem Vorläufer des INAO, angenommen: Die kontrollierte Bezeichnung Côtes du Rhône war geboren.

Die Schaffung der AOC-Siegel war ein langwieriger Prozess, an dessen Anfang das Ziel stand, einerseits Betrug und die Verwendung reißerischer Etiketten mit widerrechtlichen Fantasie-Namen zu vermeiden und andererseits, unter Berücksichtigung der auf dem Weinberg und im Keller notwendigen Eingriffe, eine optimale Qualität zu garantieren. Alle Appellationen werden vom INAO und vom Agrarministerium bestätigt. Im Sinne des Gesetzgebers sollen die Appellationen keineswegs unveränderlich und ihre Richtlinien in Stein gemeißelt sein. Sie sind im Gegenteil dazu aufgerufen, sich je nach technischen Anforderungen und Entwicklungen in Weinbau und Weinerzeugung und entsprechend den Anfragen der Winzerverbände, die beim INAO den Antrag stellen, weiterzuentwickeln. Die einzige Bedingung ist, dass die Qualität der Weine gewährleistet ist und dass die regionaltypische Besonderheit der Böden, auf denen sie produziert werden, zum Ausdruck kommt. Sowohl die Appellation d‘origine contrôlée wie auch die Terroirs sind auf die Arbeit menschlicher Hände angewiesen. Sowohl die Forderung nach Qualität als auch die Rechtschaffenheit sind integraler Bestandteil unseres Erbes, das vom Winzerverband – als sein Bewahrer, nicht sein Besitzer – geschützt werden muss.

Im Jahr 2009 wurden alle Appellations d’origine contrôlées (AOC) auf EU-Ebene zu Appellations d’origine protégées (AOP), um auf internationaler Ebene Fälschungen entgegenzuwirken.