AVIGNON, HERZ DER REGION

Avignon: eine Eingangstür zu den Côtes du Rhône für Tourismus, Weintourismus und Gastronomie

Avignon, Aushängeschild des Weinbaugebiets und zugleich seine Eingangspforte, hat eine wichtige Rolle im ökonomischen Leben der Côtes du Rhône inne. Es ist der Ort, an dem Touristen und Feinschmecker aus allen Himmelsrichtungen in den zahlreichen Restaurants der Stadt den ganzen Reichtum des Weinbaugebietes kennenlernen können. Zugleich ist die Stadt eine Einladung, sich aus den Mauern heraus in die Weinberge der Umgebung zu wagen. Auch politisch ist Avignon der Sitz der Kontrollinstanzen der Appellationen der Côtes du Rhône, die die Qualität und das Fortbestehen der geltenden Weinbaupraktiken garantieren.

Kultureller und touristischer Glanz Avignons

Avignon lockt mit seinem Renommee, seiner Geschichte und seinen Monumenten, von denen vier im Welterbeverzeichnis der Unesco stehen. Touristen aus aller Welt kommen wegen des Papstpalasts, in dem die Päpste des 14. Jahrhunderts weilten, der Brücke Saint-Bénezet aus dem 12. Jahrhundert, auf der laut dem berühmten Volkslied („Sur le pont d‘Avignon…“) kräftig getanzt wird, den Befestigungsmauern, die die Stadt umgeben, und der Bischofsanlage auf dem Domfelsen, ein Überbleibsel der früheren Konstruktionen aus Zeiten vor dem Papstpalast.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist die Stadt für ihr Theaterfestival bekannt, eines der größten der Welt, das 1947 von Jean Vilar ins Leben gerufen wurde und jedes Jahr im Juli im Ehrenhof des Papstpalastes stattfindet. In der Stadt wird dieses durch das Off-Festival mit hunderten von Veranstaltungen ergänzt, das schon für sich genommen eines der größten alternativen Festivals für Theater und darstellende Kunst bildet.
Neben diesen beiden Festivals, die jedes Jahr über 600.000 Besucher anlocken, gibt es weitere Veranstaltungen und Besichtigungsmöglichkeiten, wie die Pferdemesse Salon Cheval Passion, das Maison Jean Vilar, rund zehn Museen, darunter auch das Kunstmuseum Angladon, und in der Nähe das Kartäuserkloster Chartreuse du Val de Bénédiction oder die Abtei Saint-André in Villeneuve-lès-Avignon… 2018 hat die Stadt ein Partnerschaftsabkommen mit der Stadt Arles unterschrieben, um Synergieeffekte zu erzeugen und die Sehenswürdigkeiten der Provence aufzuwerten, die zum Welterbe der Unesco gehören.
Avignon ist eine der Kulturhauptstädte der Provence. Seine touristische Attraktivität sprudelt aus der Stadt heraus und belebt die gesamte südliche Region der Côtes du Rhône. Im Zuge dessen kann auch das Département Vaucluse stolze Besucherzahlen von 4 Millionen Touristen pro Jahr vorweisen.

Der Weintourismus hat im Weinbaugebiet der Côtes du Rhône stark zugenommen, angefangen in der Stadt Avignon, die reich an Informationen ist und einen guten Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge in die Weinbaugebiete der Umgebung bildet. Touristische Rundreisen bieten vielfältige Möglichkeiten:

  • Wanderungen in den Weinbergen, Radtouren, Übernachtung in Gästezimmern, Ferienunterkünften oder auf Campingplätzen, Erkundung der regionalen Gastronomie mit auf die Speisen abgestimmten Weinen, Schlemmerspaziergänge, Weinmuseen, Weinsafaris, Einführungen in die Weinverkostung, Teilnahme an der Weinlese im Spätsommer, Erforschung der Aromen der Rebsorten und der Cuvées, …
  •  Sieben Bestimmungsorte mit dem Gütesiegel „Vignobles et Découvertes“ sind im Weinbaugebiet der Côtes du Rhône verteilt und ermöglichen es, die einzigartige Umgebung zu entdecken, in der unsere Weine entstehen.
  • 46 Weingüter der Côtes du Rhône sind Preisträger der Auszeichnung „Œnotourisme“. Dieser Preis, der an einem goldenen Weinblatt zu erkennen ist, garantiert dem Besucher einen individuellen Empfang und eine weintouristische Erfahrung, die weit über die bloße Verkostung hinausgeht.
  • Die mobile App „Vins Rhône Tourisme“ bietet einen Kalender mit Weinveranstaltungen, Ausflugsstrecken durch die Weinbaugebiete und vor allem ein ganz neues Besichtigungserlebnis von Avignon, Hauptstadt der Côtes du Rhône.

Der Zusammenschluss zwischen Tourismus und Weintourismus ist Realität. Reiseveranstalter bieten Rundfahrten im Minibus mit Weinproben an. Seit 2009 ermöglicht die Bar à vin des Côtes du Rhône, die im Hof der Maison des Vins in Avignon abgehalten wird, die Verkostung einer breiten Auswahl an Weinen der Appellationen Côtes du Rhône und Côtes du Rhône Villages. Seit 2016 können Touristen Apps auf ihrem Smartphone nutzen, um sich über neue Touren und sämtliche weintouristischen Veranstaltungen, die im Sommer im Rhônetal organisiert werden, zu informieren. Seit 2017 empfängt die Ecole des Vins sachkundige Weinliebhaber und Neulinge, die in die Kunst der Weinverkostung und in die Geheimnisse der Appellationen des Rhônetals eingeweiht werden möchten. Thematisierte Verkostungsateliers werden an Wünsche und Wissen der Teilnehmer angepasst.

Die Umgebung um Avignon bildet ein wahres Schlaraffenland. Ihre gastronomischen Produkte sind der Ausdruck klarer regionaler Profile. Daran, dass die französische Küche 2010 als Welterbe der Unesco ausgezeichnet wurde, war die Provence nicht ganz unbeteiligt! Ihre kulinarischen Spezialitäten begleiten auf harmonische Weise die Weine der Côtes du Rhône.

Typisch mediterrane Produkte stehen bei den großen Chefköchen auf dem Menü, angefangen beim Obst der Comtat-Ebene und ihrer Umgebung: Kirschen, Pfirsiche, Feigen, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Erdbeeren und Melonen sind regionale Spezialitäten. Die Mandel, die im benachbarten Département Gard wieder im Kommen ist, zählt zu den dreizehn klassischen provenzalischen Weihnachtsdesserts, zusammen mit Feigen, Rosinen, Nüssen, Melonen, Datteln, Clementinen, Nougat und einem Kuchen mit Orangenblütenaroma. Viele dieser Früchte werden in Apt, der Hauptstadt der kandierten Früchte, verarbeitet. Die süßen provenzalischen Leckereien erfreuen sich großer Beliebtheit und stützen sich auf die einheimische Produktion: kandierte Melone, die zum Calisson d‘Aix verarbeitet wird, Papalines d‘Avignon (mit Majoranlikör gefüllte Pralinen), Berlingots de Carpentras (Gewürzbonbons), Nougat aus Sault, der für die Vaucluse genauso wichtig ist wie der Nougat von Montélimar für die Drôme, und das Pain de Modane aus Nyons, eine Art Hefekuchen. Auch Schokolade wird mit Aromen der Provence verfeinert (Lavendel, Rose, Jasmin, Mimose).

Die herzhaften kulinarischen Genüsse stehen den süßen in nichts nach. Olivenöle mit der Herkunftsbezeichnung aus Nyons und der Vallée des Baux de Provence sind eine gute Beigabe zu Gerichten, die für die mediterrane Küche charakteristisch sind, wie Tomatensalate mit Kräutern der Provence, Zwiebeln und Knoblauch, Soupe au Pistou (eine Gemüsesuppe mit Basilikum und Knoblauch) und Ratatouille aus Gemüsesorten der Region (Tomaten, Paprika, Auberginen, Zucchini). Das mit Kräutern verfeinerte Lamm aus Tarascon ist zu Ostern Tradition. Der mit Kastanienblättern umgebene Käse aus Banon mit AOC-Siegel ist ein Weichkäse aus Ziegenmilch, der im Mittelgebirge produziert wird. Der Trüffel des Comtat Venaissin wird hier als der schwarze Diamant der Provence betrachtet.

Die Weine der Côtes du Rhône verleihen diesen verschiedenen Speisen eine perfekte Harmonie, die von Kennern geschätzt wird:

  • Den lieblichen Wein von Rasteau, den Muscat aus Beaumes-de-Venise und den Perlwein von Saint-Péray trinkt man am besten zu Desserts.
  • Die Roséweine passen hervorragend zu Salaten mit Küchenkräutern und zu Grillspeisen. Sie können auch als Aperitif verkostet werden.
  • Rotweine heben den Geschmack von Lammfleisch, Ratatouille, Schmorbraten und Ragouts mit Knoblauch, Rosmarin, Thymian, Feldthymian und Kräutern hervor.
  • Trockene und fruchtige Weißweine passen zum Ziegenkäse aus Banon.

Avignon ist auch der politische Sitz der Côtes du Rhône. Hier befindet sich Inter Rhône, die Verwaltung der Côtes du Rhône, die insbesondere für die Kontrolle der aus diesen Anbauböden hervorgehenden Produkte sorgt – wenn nötig auch auf juristischem Wege, um den Namen Côtes-du-Rhône oder Rhône vor unberechtigtem und betrügerischem Gebrauch zu schützen. Zusammen mit den Winzern des INAO (Nationalinstitut für Herkunft und Qualität) nimmt Inter Rhône an der Erarbeitung der Leistungsverzeichnisse der Appellationen teil. Sie wacht über die Traditionen der Produzenten, ihr Know-how und über die Qualität der Weine, insbesondere beim Genehmigungsverfahren, das einem eigenen Kontrollorgan untersteht. Es ist außerdem zuständig für den Inspektionsplan des Weinbaugebiets und der Weinproduktion, die es regelmäßig kontrolliert.

Aus ökonomischer Sicht ist der Weinbau für die Region unverzichtbar. Das Weinbaugebiet des Rhônetals ist das zweitgrößte AOC-Weinbaugebiet Frankreichs. Es umfasst aktuell an die 70.000 ha mit einem Produktionsvolumen von 2,8 Millionen hl, mit durchschnittlichen Erträgen in einer Größenordnung von 40hl/ha. Die Weinproduktion ist hierarchisch nach Qualitäten strukturiert: Die größten Mengen stellen die Weine der regionalen Appellation Côtes du Rhône dar (66 %), gefolgt von den Côtes du Rhône Villages (16 %) und den Crus (18 %). Rotweine dominieren mit drei Vierteln der Produktion, gefolgt von den Roséweinen mit etwa 15 % und den Weißweinen, die ein Zehntel der Gesamtproduktion ausmachen. Die Produktion von Bioweinen erlebt einen starken Anstieg, um ungefähr 15 % der Rebfläche in sechs Jahren und erreichte 2017 bereits mehr als 14.500 ha.

Die Weinwirtschaft spielt in der Region eine grundlegende Rolle, insbesondere im Vaucluse, das eines der am stärksten landwirtschaftlich geprägten Départements im Rhônetal ist. Die 32.000 ha Weinbaufläche, die von mehr als 2800 Betrieben kultiviert werden, stellen aktuell 32 % der nutzbaren landwirtschaftlichen Fläche dieses Départements dar. Insgesamt haben 50.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze in der Region mit dem Weinbau zu tun.